OLG Frankfurt: Nicht sorgeberechtigter Elternteil hat Anspruch auf Ferienregelung bei 5jährigen

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Gericht:  OLG  Frankfurt  2.  Senat  für  Familiensachen  Entscheidungsdatum:  25.09.2006  Aktenzeichen:  UF  361/06  Dokumenttyp:  Beschluss  Quelle:  Norm:  § 1684 BGB  (Umgangsrechtsregelung:  Ferienregelung  für  ein  knapp  Jahre  altes  Kind  eines  italienischen  Vaters)  Leitsatz  Zum  Umgangsrecht  im  Sinne  von  § 1684 BGB  gehört  bei  einem  knapp  fünf  Jahre  alten  Kind  auch  eine  Ferienregelung,  die  ihm  und  dem  nicht  sorgeberechtigten  Elternteil  ermöglicht,  einen  längeren  Zeitraum  zusammen  zu  sein.  Tenor  Gründe  Die  Beschwerde  der  Antragsgegnerin  gegen  den  Beschluss  des  Amtsgerichts  Biedenkopf  vom  29.  August  2006  wird  zurückgewiesen.  Der  Antragsgegnerin  wird  Prozesskostenhilfe  zur  Durchführung  des  Beschwerdeverfahrens  nicht  bewilligt.  Das  Beschwerdeverfahren  ist  gerichtsgebührenfrei.  Die  Antragsgegnerin  hat  etwaige  dem  Antragsteller  im  Beschwerdeverfahren  entstandene  außergerichtliche  Kosten  zu  erstatten  (Beschwerdewert:  3.000  €).  I.  Die  Parteien,  die  nicht  miteinander  verheiratet  waren,  sind  die  Eltern  des  jetzt  ½  Jahre  alten  Kindes  A.  lebt  bei  seiner  Mutter,  die  alleinige  Inhaberin  des  Sorgerechts  ist,  und  wird  von  ihr  betreut.  Gegenstand  des  vorliegenden  Verfahrens  ist  die  Regelung  des  Umgangs  des  Antragstellers  mit  dem  Kind.  Insoweit  war  es  den  Eltern  möglich,  sich  einverständig  auf  regelmäßige  Besuchskontakte  As  mit  seinem  Vater  im  vierzehntägigen  Rhythmus  zu  einigen.  Auf  den  vor  dem  Amtsgericht  geschlossenen  Teilvergleich  vom  21.08.2006  wird  Bezug  genommen.  Über  den  Wunsch  des  Antragstellers,  mit  einen  vierzehntägigen  Italienbesuch  zu  unternehmen,  um  das  Kind  in  den  Kreis  seiner  väterlichen  Verwandten  einzuführen,  kam  jedoch  keine  Einigung  zustande.  Durch  Beschluss  vom  29.08.2006  ordnete  das  Amtsgericht  an,  dass  der  Antragsteller  das  Recht  hat,  im  Zeitraum  01.10.2006  bis  30.10.2006  seinen  Sohn  für  zwei  Wochen  zu  sich  zu  nehmen  und  in  dieser  Zeit  mit  ihm  nach  Italien  zu  reisen.  Auf  die  Gründe  dieses  Beschlusses  wird  zur  weiteren  Sachdarstellung  Bezug  genommen.  Gegen  diesen  ihr  am  30.08.2006  zugestellten  Beschluss  wendet  sich  die  Antragsgegnerin  mit  ihrer  am  12.09.2006  eingereichten  und  zugleich  begründeten  Beschwerde.  Sie  ist  der  Ansicht,  dass  dem  Antragsteller  die  beabsichtigte  Italienreise  nicht  erlaubt  werden  dürfe,  weil  dies  nicht  dem  Wohle  des  Kindes Italienreise  nicht  erlaubt  werden  dürfe,  weil  dies  nicht  dem  Wohle  des  Kindes  entspreche.  Wegen  der  Einzelheiten  der  dafür  gegebenen  Begründung  wird  auf  den  Inhalt  der  Beschwerdeschrift  Bezug  genommen.  Für  das  Beschwerdeverfahren  hat  die  Antragsgegnerin  die  Bewilligung  von  Prozesskostenhilfe  beantragt.  Der  Antragsteller  verteidigt  demgegenüber  den  angefochtenen  Beschluss  und  hält  an  seinen  Reiseplänen  fest.  II.  10  11  12  13  14  Die  Beschwerde  ist  gemäß  § 621 e ZPO  zulässig,  sie  hat  jedoch  in  der  Sache  keinen  Erfolg.  Das  Amtsgericht  hat  zutreffend  ausgeführt,  dass  zum  Umgangsrecht  im  Sinne  von  § 1684 BGB  bei  einem  Kind  im  Alter  As  auch  eine  Ferienregelung  gehört,  die  ihm  und  dem  nicht  sorgeberechtigten  Elternteil  ermöglicht,  einen  längeren  Zeitraum  zusammen  zu  sein.  Dies  dient  grundsätzlich  dem  Wohl  des  Kindes,  denn  auf  diese  Weise  werden  die  Beziehungen  zu  dem  nicht  betreuenden  Elternteil  verfestigt  und  auf  eine  der  Normalität  entsprechende  Grundlage  gestellt.  Die  Ferienregelung  kann  auch  eine  Auslandsreise  umfassen,  wenn  es  wie  vorliegend  darum  geht,  mit  dem  Kind  nach  Italien  zu  fliegen  und  es  in  den  Kreis  der  dort  lebenden  Verwandten  einzuführen.  Die  Einwände,  die  die  Antragsgegnerin  dagegen  erhoben  hat,  greifen  nicht  durch.  Zunächst  ist  festzustellen,  dass  in  der  Person  des  Kindes  keine  Gründe  vorliegen,  die  gegen  eine  solche  Reise  sprechen  würden.  In  einem  Alter  von  ½  Jahren  ist  A,  der  offenbar  normal  entwickelt  ist,  für  eine  solche  Reise  nicht  zu  klein.  Er  ist  mit  seinem  Vater  vertraut,  der  ihn  behüten  und  betreuen  kann.  Aller  Voraussicht  nach  wird  die  Reise  für  ihn  ein  spannendes  Erlebnis  werden,  das  den  Horizont  des  Jungen  erweitern  wird.  Es  ist  nach  dem  Vortrag  der  Parteien  auch  nicht  zu  erwarten,  dass  das  Kind  am  Urlaubsort  unerträgliche  Verhältnisse  vorfinden  wird.  Da  der  Bruder  des  Antragstellers  ebenfalls  deutsch  spricht,  ist  nicht  zu  erwarten,  dass  das  Kind  aufgrund  mangelnder  sprachlicher  Kontakte  vereinsamen  wird.  Die  vorübergehende  Trennung  von  der  Mutter  kann  ein  Kind  im  Alter  As  verkraften.  Soweit  die  Antragsgegnerin  eine  fehlende  Anhörung  des  Kindes  zu  diesem  Fragenkomplex  gerügt  hat,  ist  ihr  nicht  zu  folgen,  da  von  aufgrund  seines  Alters  noch  nicht  erwartet  werden  kann,  dass  er  sich  zu  dem  in  der  Zukunft  liegenden  und  ihm  unbekannten  Ferienerlebnis  eine  entscheidungsrelevante  Meinung  bilden  könnte.  Auch  in  der  Person  des  Antragstellers  liegen  keine  Gründe  vor,  die  gegen  die  beabsichtigte  Reise  sprächen.  Er  hat  nochmals  eine  aktuelle  ärztliche  Bescheinigung  vorgelegt,  aus  der  sich  ergibt,  dass  aus  ärztlicher  Sicht  keine  Bedenken  gegen  eine  Flugreise  nach  Italien  bestehen.  Soweit  schließlich  der  Verdacht  des  Kindesmissbrauchs  geäußert  worden  ist,  ist  dieser  derart  vage,  dass  darauf  eine  die  Urlaubsreise  ablehnende  Entscheidung  nicht  gestützt  werden  kann.  Dieser  Verdacht  hatte  schließlich  ebenfalls  keine  Bedeutung,  soweit  es  um  regelmäßige  Besuchskontakte  an  den  Wochenenden  ging.  Nach  alledem  musste  die  Beschwerde  zurückgewiesen  werden.  Prozesskostenhilfe  konnte  der  Antragsgegnerin  nicht  bewilligt  werden,  weil  ihr  Rechtsmittel  von  Anfang  an  keine  hinreichende  Aussicht  auf  Erfolg  versprach.  Die  Kostenentscheidung  folgt  aus  §§  131  Abs.  KostO,  13  Abs.  FGG.  Hinweis:  Die  Entscheidung  wurde  von  den  Dokumentationsstellen  der  hessischen  Gerichte  ausgewählt  und  dokumentiert.  Darüber  hinaus  ist  eine  ergänzende  Dokumentation  durch  die  obersten  Bundesgerichte  erfolgt.